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Rahmenrichtlinien für die Konfirmandenzeit

Vom 24. September 2003

(GVBl. 25. Band, S. 127)

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I. Grund und Ziele der Konfirmandenzeit

1Die Konfirmandenzeit gründet in der Zusage und im Auftrag Jesu Christi: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 2Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. 3Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. 4(Mt. 28, 18–20)
5Darum lädt die Kirchengemeinde, auch im Bewusstsein der Bildungsverantwortung der evangelischen Kirche in der Gesellschaft, junge Menschen ein, in einer ihrem Alter gemäßen Form Erfahrungen mit dem christlichen Glauben zu machen. 6In der Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen begegnen die Jugendlichen in der Konfirmandenzeit Formen und Inhalten des Glaubens und lernen das gegenwärtige Leben der Kirche in seiner religiösen und kulturellen Bedeutung kennen. 7Dabei wird nicht nur die biblisch-kirchliche Tradition, sondern auch die Vielfalt der Biographien und Lebenswelten Jugendlicher mit ihren gegenwartskulturellen und alltagsreligiösen Ausprägungen berücksichtigt.
8Als Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen die Jugendlichen zu eigenen Erfahrungen mit Glauben und Kirche angeregt und ermutigt werden, um zu erleben, welche Bedeutung das Evangelium für ihr Leben und für das Miteinander von Menschen hat.
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II. Die Beteiligten

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1. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden

1Konfirmandinnen und Konfirmanden befinden sich in einer Lebensphase, in der sie sich von ihren Eltern zu lösen beginnen und übernommene Werte und Verhaltensweisen in Frage stellen. 2Sie werden in einer pluralisierten und individualisierten Gesellschaft von konkurrierenden Weltanschauungen, Freizeitangeboten und wechselnden Schönheitsidealen umworben. 3Gleichzeitig schwindet die Selbstverständlichkeit von Traditionen, so dass Jugendliche religiösen Elementen in ihrer Lebenswelt begegnen, die nicht mehr zwangsläufig christlich geprägt und am Ort Kirche angesiedelt sind. 4Insgesamt ist es für Jugendliche schwer, Orientierung in weltanschaulicher Pluralität zu gewinnen und die Werte herauszufinden, die sie für sich als verbindlich anerkennen können.
5Auch die Sehnsucht nach Anerkennung, Neugier auf sexuelle Erfahrungen, Angst vor Missachtung und der körperliche Wandel bestimmen ihr Gefühlsleben. 6Die wesentlichen Herausforderungen des Erwachsenwerdens bestehen deshalb für junge Menschen darin,
eine eigene Identität in flexiblen Familienstrukturen zu finden,
eigene Spielräume in einer Jugend orientierten Erwachsenenwelt zu entfalten,
altersspezifische Reifungsprozesse in einer Zeit wechselnder Rollenbilder und kultureller Pluralität zu bewältigen.
7Die Konfirmandenzeit bietet die Chance, Jugendliche bewusst in diesem verletzlichen Alter1 zu begleiten und ihnen ermutigende Erfahrungen mit dem Glauben zu ermöglichen. 8Die Konfirmandengruppe kann zu einer wichtigen Bezugsgröße werden, in der Jugendliche nicht nur Gemeinschaft und persönliche Akzeptanz erfahren, sondern auch Orientierung durch den Glauben.
9Familien spüren diesen Ablösungsprozess ihrer Kinder, der oft mit Konflikten verbunden ist. 10Manche Eltern leiden unter einer negativen Rolle, die ihnen von ihren Kindern in dieser Lebensphase zugedacht wird. 11Dennoch bleiben Eltern, Erziehungsberechtigte und Großeltern wichtige Bezugspersonen.
12Es ist in der Konfirmandenzeit hilfreich, sich der Unterstützung der Eltern zu vergewissern, z.B. durch Besuche und Elternabende. 13Andererseits muss bei der Beteiligung von Eltern an der Konfirmandenzeit sichergestellt werden, dass die Jugendlichen genügend Freiraum für den notwendigen Ablösungsprozess von ihren Eltern behalten.
14Jugendliche erleben, wie sich ihre Familien verändern. 15Wenn Eltern neue Partnerschaften eingehen, Beziehungen zu neuen Geschwistern entstehen oder Eltern allein bleiben, belastet das die Jugendlichen häufig. 16Die seelsorgerliche Begleitung des einzelnen Jugendlichen ist deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil der Konfirmandenzeit.
17Die Schule2 prägt den Lebensrhythmus der Jugendlichen und beansprucht einen Großteil ihrer Zeit. 18Erfolg und Misserfolg beeinflussen ihr Selbstwertgefühl und werden zum Maßstab auch für andere Lebensbereiche. 19In dieser Lebensphase kann die Erfahrung christlicher Gemeinschaft eine wichtige Hilfe sein, den Wert der eigenen Person unabhängig von der Leistung zu entdecken.
20Die schulübergreifende Gruppenkonstellation und das unterschiedliche Begabungsprofil stellen für die Unterrichtenden eine Herausforderung dar. 21Für die Jugendlichen bietet sich dadurch jedoch die Chance für soziales Lernen.
22Für die Jugendlichen ist die Gruppe der Gleichaltrigen ein wichtiger Erlebnis- und Artikulationsraum zum Erproben sozialer Werte und Verhaltensweisen, aber auch zur Abgrenzung von der Erwachsenenwelt. 23Sie bietet emotionale Stabilität, Orientierung und Halt.
24Allerdings kann die fehlende Integration in eine Clique auch als Defizit erlebt werden. 25Die Vorlieben für Musik, Kleidung und risikofreudige Sportarten sollen Erwachsene oft bewusst abschrecken. 26Die Identifikation mit einer Clique kann Zwänge und Rituale zur Folge haben, die in der Konfirmandenzeit kritisch zu hinterfragen sind.
27Medienkonsum spielt im Leben von Jugendlichen eine zentrale Rolle. 28Fernsehserien und Musikszenen, neue Kommunikations- und Informationsformen prägen Jugendliche und eröffnen spezielle Erfahrungsmöglichkeiten in virtuellen Welten. 29Die Konfirmandenzeit muss sich auf die Bedeutung neuer Technologien und Erlebniswelten einstellen. 30Das Gespräch über den Glauben muss auch die aus den Medien gewonnenen religiösen Eindrücke aufnehmen.
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2. Die Verantwortlichen

1Die Konfirmandenzeit ist Aufgabe der Ortsgemeinde. 2Sie ist Lernort und Übungsfeld für die Gestaltung des Glaubens. 3Hier erkunden und erproben die Jugendlichen, was es bedeutet, als Christ, als Christin zu leben. 4Deshalb muss die Konfirmandenzeit mit anderen Angeboten des Gemeindelebens – insbesondere Gottesdienst und Jugendarbeit – verknüpft sein. 5Durch Besuche und Besichtigungen, Praktika und Teilnahme an anderen Gemeindeveranstaltungen sollen die Jugendlichen möglichst viel von der eigenen Gemeinde kennen lernen. 6Einblicke in übergemeindliche kirchliche oder diakonische Arbeit, aber auch ökumenische und interreligiöse Erfahrungen sollten ermöglicht werden. 7Dabei ist von einem realistischen Bild von Gemeinde auszugehen, das die Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit kirchlichen Handelns nicht verschweigt und die konkrete Situation in der Gemeinde und der Region berücksichtigt.
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2.1 Der Gemeindekirchenrat

1Gemäß Artikel 25,3 der Kirchenordnung trägt der Gemeindekirchenrat die Verantwortung für die Konfirmandenzeit. 2Älteste, Pfarrerinnen und Pfarrer entscheiden über die jeweilige Ordnung und Gestaltung der Konfirmandenzeit. 3Ebenso liegt die Verantwortung für die angemessene räumliche, finanzielle und personelle Ausstattung und für die Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Gemeindekirchenrat.
4Die Konfirmandenzeit muss deshalb regelmäßig Thema im Gemeindekirchenrat sein. 5Berichte über gelungene Vorhaben wie auch über geplante Projekte werden gegeben, notwendige Änderungen beschlossen und eventuelle Schwierigkeiten beraten. 6Der Gemeindekirchenrat ermöglicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine regelmäßige Fort- und Weiterbildung. 7Die Einrichtung eines Ausschusses für Konfirmanden- und Jugendarbeit wird empfohlen.
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2.2 Die Unterrichtenden

1Die Konfirmandenzeit gehört zu den Grundaufgaben der Gemeindepfarrer und -pfarrerinnen. 2Wo mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer in einer Gemeinde tätig sind, ist eine umfassende und regelmäßige Absprache über Ziele, Inhalte, Themen und Organisationsformen unerlässlich. 3Für kleinere Gemeinden mit geringen Konfirmandenzahlen empfiehlt sich die Zusammenarbeit von Gemeinden in der Region. 4Haupt- oder nebenamtliche Religionspädagoginnen und -pädagogen können mit der Leitung einer Konfirmandengruppe beauftragt werden. 5Dann wird die Konfirmation gemeinsam mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin in der Gemeinde gestaltet.
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2.3 Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

1Erfahrungsgemäß lassen sich konfirmierte Jugendliche, aber auch Erwachsene für die Mitarbeit in der Konfirmandenzeit gewinnen. 2Sie brauchen verlässliche Begleitung und Fortbildung. 3Bewährt hat es sich, den zeitlichen und inhaltlichen Umfang der Mitarbeit präzise zu beschreiben. 4Werden ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Gestaltung von Projekten, Unterrichtseinheiten o. a. beauftragt, so liegt die Verantwortung für ihre angemessene Qualifizierung und Begleitung bei denen, die die Gruppen leiten.
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3. Besondere Zielgruppen

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3.1 Jugendliche mit Behinderungen

1Jugendliche mit Behinderungen sollen in der Regel in eine Konfirmandengruppe ihrer Ortsgemeinde integriert werden. 2Wenn das in Absprache mit den Eltern oder anderen Sorgeberechtigten der Betroffenen nicht ratsam erscheint, kann eine besondere Form der Konfirmandenzeit vereinbart werden, sei es auf regionaler Ebene, sei es an der Schule oder Betreuungseinrichtung. 3Nach Möglichkeit soll die Konfirmation in der Ortsgemeinde stattfinden.
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3.2 Aussiedlerjugendliche

1Um die sprachliche, kulturelle und persönliche Integration von Aussiedlerjugendlichen zu fördern, werden sie in die Konfirmandengruppen ihrer Ortsgemeinde aufgenommen. 2Es ist zu berücksichtigen, dass denen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, die hiesigen geläufigen pädagogischen Ansätze und methodischen Arbeitsformen fremd sind. 3Besonders im Blick auf kreative Arbeitsformen und Konfirmandenfreizeiten ist im Vorfeld das Gespräch mit den Eltern zu suchen.
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3.3 Ältere Jugendliche und Erwachsene

1Ältere Jugendliche und Erwachsene werden in kleineren Gesprächskreisen auf die Konfirmation vorbereitet. 2Dabei empfiehlt sich eine Zusammenarbeit in der Region. 3Die „Ordnung für die Konfirmandenzeit von Erwachsenen“ vom 26. Mai 1998 ist zu beachten. 4Für einen deutlichen zeitlichen Abstand zum traditionellen Konfirmandenalter ist zu sorgen.
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III. Inhalte und Gestaltung der Konfirmandenzeit

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1. Inhalte und Themen

1Es ist zu unterscheiden zwischen den Inhalten und den Themen der Konfirmandenzeit:
2Die Inhalte der Konfirmandenzeit ergeben sich aus der biblisch-kirchlichen Überlieferung, wie sie Martin Luther im Kleinen Katechismus zusammengefasst hat:
10 Gebote
Glaubensbekenntnis
Vaterunser
Taufe
Abendmahl
3Weitere Inhalte aus dem Leben der Kirche kommen hinzu:
Gottesdienst
Gemeinde
Diakonie
Ökumene
Religionen und Religiosität im Umfeld der eigenen Gemeinde
4Die Themen der Konfirmandenzeit müssen jeweils neu ermittelt werden. 5Dabei ist die Perspektive der Konfirmandinnen und Konfirmanden, d. h. ihre persönliche Situation, ihre Lebenswelt und ihre Religiosität zu berücksichtigen.
6Daraus ergeben sich Themenstellungen, die die Erfahrungswelt der Jugendlichen mit den biblisch-kirchlichen Inhalten verbinden. 7Die Konfirmandenzeit muss nicht nur für, sondern auch mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden geplant werden. 8Die Frage des Kleinen Katechismus „Was ist das?“ muss dabei zugespitzt werden auf „Was bedeutet das für mich persönlich?“
9Der erste Artikel des Glaubensbekenntnisses kann z. B. unter der Fragestellung
„Was bin ich wert?“
„Was bin ich meinen Mitgeschöpfen schuldig?“
10Aspekte der Bewahrung der Schöpfung und des Verhältnisses von Mensch und Tier aufnehmen.
11Ebenso kann hier aber auch die Sinnfrage
„Wer bin ich?“
thematisiert werden. 12Das Thema Gottesdienst kann z.B. zunächst unter den Stichworten „Fremde Heimat Kirche“ bedacht werden, um den Jugendlichen, die kaum Vorkenntnisse haben, liturgische Vollzüge durch Teilnahme und Mitgestaltung zu erschließen.
13Die Themen der Konfirmandenzeit müssen im Horizont und in der Sprache der Jugendlichen erschlossen werden. 14Das schließt die Aneignung von Texten aus Bibel und Katechismus nicht aus, setzt aber bei der Lebenswelt der Jugendlichen zur Erschließung von Leben und Glauben ein.
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2. Lernen, Methoden, Sozialformen und Arbeitsmittel

1Jugendliche entdecken Zugänge und Lösungen zu einem Thema auf sehr unterschiedliche Weise. 2Evangelisches Bildungsverständnis zielt immer auf die Entwicklung des ganzen Menschen mit seinen Fähigkeiten und Gaben, aber eben auch seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten.
3Lernen geschieht auf vielfältige Weise, indem Einsichten gewonnen, Erfahrungen gemacht, Probleme gelöst und Kenntnisse und Fertigkeiten gewonnen werden. 4Eine Vielzahl von Methoden der Pädagogik hilft den Jugendlichen, einen altersgemäßen Zugang zu den Inhalten des christlichen Glaubens zu finden. 5Wechselnde Arbeits- und Sozialformen erleichtern die inhaltliche Aneignung ebenso wie gemeinsames Singen, Spielen oder der Einsatz von Medien.
6Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen einige grundlegende Texte des christlichen Glaubens wie z. B. das Vaterunser, das Apostolikum, die 10 Gebote und evtl. einige ausgewählte Stücke aus Bibel und Gesangbuch auswendig wissen. 7Dazu ist es notwendig, diese Texte regelmäßig liturgisch zu verwenden und inhaltlich zu erarbeiten.
8Ort des Lernens in der Konfirmandenzeit ist in der Regel das Gemeindehaus. 9Es sollte aber auch der Kirchraum, und zwar nicht nur am Sonntagvormittag, genutzt werden. 10Das Aufsuchen von anderen Lernorten3 ist wichtig. 11Es erweitert den Blick über die eigene Gemeinde hinaus.
12Unverzichtbare Arbeitsmittel in der Konfirmandenzeit sind die Bibel und das Evangelische Gesangbuch. 13Jede Konfirmandin und jeder Konfirmand sollte ein Exemplar besitzen. 14Hilfreich ist es, wenn alle Jugendlichen mit der gleichen Bibelübersetzung arbeiten. 15Eine Arbeitsmappe, z. B. ein Ringbuch, gehört ebenfalls zur persönlichen Ausstattung.
16Weitere Arbeitsmittel wie Unterrichtsbücher o. Ä. sollten unter den Unterrichtenden abgesprochen werden. 17Der Gemeindekirchenrat trägt die Verantwortung für eine angemessene Ausstattung der Räume, für die Anschaffung von Unterrichtsmaterial und Medien.
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3. Organisationsformen

1Der zeitliche Rahmen, das Alter der Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie die Dauer der Konfirmandenzeit sind durch die Rahmenordnung geregelt. 2Die Situation der Jugendlichen und die örtlichen Gegebenheiten fordern aber eine regelmäßige Überprüfung der Organisationsform durch die Verantwortlichen. 3Nicht nur wöchentliche Treffen, sondern auch Projekte, Praktika, Konfirmandennachmittage oder Ferienmodelle sind sinnvolle Organisationsformen. 4Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Organisationsformen und Methoden ermöglicht intensivere Phasen der Zusammenarbeit, z. B. an Wochenenden, vernachlässigt aber ebenso wenig die Kontinuität regelmäßiger Treffen.
5In jedem Fall müssen die Rahmenbedingungen vor Beginn der Konfirmandenzeit allen Beteiligten bekannt sein. 6Werden neue Organisationsformen eingeführt, sollten die Erfahrungen in der Region und die Beratungsangebote der Landeskirche in die Überlegungen einbezogen werden.
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4. Freizeiten

1Mehrtägige Freizeiten an einem anderen Ort sind ein wichtiger Bestandteil der Konfirmandenzeit. 2Sie haben eine wertvolle gemeinschaftsstiftende Funktion. 3Eine wichtige Rolle spielen dabei jugendliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als glaubwürdige Zeugen des christlichen Glaubens. 4Sie müssen an der Planung und Durchführung der Freizeiten beteiligt und inhaltlich gut vorbereitet werden.
5Neben der Möglichkeit zu intensiven und kreativen Arbeitsformen sind die Freizeiten wegen ihrer spirituellen Dimension von besonderer Bedeutung: Andachten, Gottesdienste oder die gemeinsame Feier des Abendmahls können den Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottesdienstformen erschließen und liturgisches Erleben und Lernen erleichtern.
6Die Fahrten bieten die Chance einer Frei-Zeit von den schulischen und familiären Zwängen des Alltags. 7In dieser Frei-Zeit können die Konfirmandinnen und Konfirmanden Elemente des Glaubens gemeinsam erproben. 8Mindestens eine Freizeit ist während der Konfirmandenzeit obligatorisch. 9Wenn möglich sollten aber zwei Freizeiten durchgeführt werden, von denen eine am Beginn der Konfirmandenzeit dem gegenseitigen Kennenlernen dienen sollte.
10Wichtig ist es, sehr frühzeitig Absprachen mit den Eltern, den örtlichen Schulen und den Kolleginnen und Kollegen in der Region zu treffen, um Missverständnissen, Terminüberschneidungen, Problemen bei Kasualvertretungen oder Kollisionen mit schulischen Terminen vorzubeugen.
11Ferner ist auf eine angemessene materielle Ausstattung für die Freizeiten zu achten. 12Damit Jugendliche aus sozial schwachen Familien nicht auf die Teilnahme an Freizeiten verzichten müssen, stellt der Gemeindekirchenrat für solche Fälle finanzielle Mittel bereit.
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5. Gottesdienste

1Konfirmandinnen und Konfirmanden lernen während der Konfirmandenzeit das gottesdienstliche Leben der Kirchengemeinde kennen. 2Sie werden eingeladen, gottesdienstliche Formen zu entdecken, mit zu gestalten und Elemente einer eigenen Spiritualität zu entwickeln. 3Die Konfirmandinnen und Konfirmanden nehmen regelmäßig am Sonntagsgottesdienst teil, der vor allem in der Predigt und bei der Auswahl der Lieder auch den Verstehenshorizont der Jugendlichen berücksichtigen muss.
4Aber der Begriff Gottesdienst umfasst mehr als die Gottesdienste am Sonntag. 5Die liturgische Vielfalt einer Kirchengemeinde mit Kasualgottesdiensten, Zielgruppengottesdiensten oder kleineren Andachtsformen ist wahrzunehmen. 6Fremdheit oder Unsicherheit lassen sich überwinden, wenn sich die Jugendlichen an der Gestaltung aktiv beteiligen können.
7Folgende Gottesdienste verdienen in der Konfirmandenzeit besondere Aufmerksamkeit:
Begrüßungsgottesdienste zu Beginn der Konfirmandenzeit
Taufgottesdienste
Abendmahlsfeiern, z. B. auf Freizeiten
Teilnahme an einem Gottesdienst einer anderen Konfession
Von der Gruppe gestaltete Gottesdienste während der Konfirmandenzeit
Jugendgottesdienste
Der Konfirmationsgottesdienst
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6. Zusammenarbeit in der Gemeinde und in der Region

1Die Zusammenarbeit beginnt bereits dort, wo das Thema Konfirmandenzeit unter Pfarrerinnen, Pfarrern, hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Kirchenältesten einer Gemeinde überhaupt besprochen wird. 2Absprachen, gemeinsame Planungen und inhaltliche Gespräche in Dienstbesprechungen und Gemeindekirchenratssitzungen sollten regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, stattfinden.
3Ein Ausschuss des Gemeindekirchenrates sollte die Konfirmandenzeit begleiten. 4Die gelegentliche Teilnahme an einem der regelmäßigen Treffen oder einer Unternehmung mit einem anschließenden Gespräch oder auch die Mitwirkung an einer Konfirmandenfreizeit werden empfohlen.
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7. Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und anderen Institutionen

1Wer die Konfirmandenzeit plant und gestaltet, muss die Schulen in seine Überlegungen mit einbeziehen und das Gespräch mit den Schulleitungen und den Lehrerinnen und Lehrern suchen. 2Niemals sollten die Jugendlichen in eine Situation kommen, in der sie sich zwischen Schule und Konfirmandenzeit entscheiden müssen!
3Bei der Festlegung von Terminen sind die Vorgaben des Kultusministeriums zu beachten.44Die rechtzeitige gegenseitige Mitteilung von Vorhaben erleichtert die Planungen und fördert die Beziehungen zwischen Schule und Gemeinde. 5Es ist allerdings notwendig, dass auch in einem Kirchenkreis oder in einer Region abgestimmte Regelungen getroffen werden. 6Mit den Religionslehrern und -lehrerinnen ist zudem eine gegenseitige Information und Abstimmung über die Inhalte und Themen zu empfehlen.
7Neben der Schule spielen Vereine und Angebote anderer Einrichtungen im Leben der Jugendlichen eine wichtige Rolle. 8Auch sie erwarten in der Regel verlässliches Engagement und regelmäßige Teilnahme. 9Es kann zu Zeit- und Interessenkollisionen kommen.
10Die verantwortlichen Erwachsenen – z. B. Kirchengemeinde, Vereinsleitung und Eltern – sollten im Gespräch frühzeitig einvernehmliche Lösungen suchen. 11Die Jugendlichen sollen sich nicht etwa zwischen einer sportlichen oder musischen Aktivität und der Konfirmandenzeit entscheiden müssen. 12In Konfliktfällen ist das persönliche Gespräch mit den Familien und den Verantwortlichen in den Vereinen oder sonstigen Einrichtungen zu suchen.
13Grundsätzlich darf eine Gemeinde allerdings erwarten, dass die Jugendlichen, die sich zur Konfirmandenzeit angemeldet haben, und ihre Eltern die Vereinbarungen über die Gestaltung der Konfirmandenzeit einhalten.
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IV. Die Konfirmation

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1. Erwartungen

1Mit der Konfirmation findet die Konfirmandenzeit ihren feierlichen Abschluss. 2Unterschiedliche Erwartungen und Deutungen der Konfirmation treffen dabei aufeinander:
1Die Jugendlichen erwarten eine schöne Feier und freuen sich darauf, an diesem Tag im Mittelpunkt zu stehen. 2Viele freuen sich, dass die Konfirmandenzeit abgeschlossen ist und haben das Gefühl, etwas geleistet zu haben. 3Gleichzeitig bedauern sie, dass die gemeinsame Zeit in der Konfirmandengruppe zu Ende geht.
1Die Familien interpretieren die Konfirmation oft als das Ende der Kindheit und als Übergang in das Erwachsenenalter, obwohl dies den realen Lebensumständen in der Regel nicht mehr entspricht. 2Auch der Erwerb der mit der Konfirmation verbundenen Rechte wie Patenrecht oder Zulassung zur kirchlichen Trauung wird geschätzt. 3Hohe Bedeutung hat aber vor allem die Segnung der Konfirmandinnen und Konfirmanden im Gottesdienst.
Die engagierten Mitglieder der Ortsgemeinde verbinden mit der Konfirmation oft den Wunsch nach Wahrung der Tradition und hoffen, dass die Jugendlichen aktive Gemeindeglieder bleiben.
1Die Pfarrerinnen und Pfarrer empfinden den Aspekt des „Segens für die Lebensreise“ häufig besonders intensiv. 2Ihnen liegt außerdem an der theologischen Einordnung der Konfirmation als Taufbestätigung und an dem eigenständigen Bekenntnis der Jugendlichen.
3Die Pfarrer, Pfarrerinnen und alle, die außerdem für die Gestaltung der Konfirmation Verantwortung tragen, müssen diese Erwartungen berücksichtigen und in ihre sorgfältige und reflektierte Vorbereitung einbeziehen.
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2. Gestaltung

1Der Konfirmationsgottesdienst ist ein Kasualgottesdienst, in dessen Mittelpunkt junge Menschen und ihre Familien stehen. 2Neben die üblichen liturgischen Teile treten die Anrede an die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die Verlesung ihrer Namen und Konfirmationssprüche und die Segenshandlung.
3Im Konfirmationsgottesdienst werden die Konfirmandinnen und Konfirmanden an ihre Taufe erinnert. 4Sie empfangen den Segen Gottes und stimmen in das Bekenntnis der christlichen Gemeinde ein. 5Grundsätzlich muss bei der Liturgie, bei der Auswahl der Lieder und des Predigttextes die volkskirchliche Zusammensetzung der Konfirmationsgemeinde angemessen berücksichtigt werden. 6Insbesondere zeitliche Überlängen sind zu vermeiden.
7Die Konfirmation ist ein Gottesdienst für und nicht von Konfirmandinnen und Konfirmanden. 8Eine aktive Mitgestaltung des Gottesdienstes durch die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollte daher zurückhaltend geplant werden. 9Dagegen bietet sich die aktive Einbeziehung von Kirchenältesten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an.
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3. Abendmahl und Taufgedächtnis im Konfirmationsgottesdienst

1Von ihrem Ursprung her hat die Konfirmation einen engen Bezug zur Taufe. 2Die Bestätigung der Taufe ist von daher ein wesentlicher Bestandteil des Konfirmationsgottesdienstes.53Die Taufe von Konfirmandinnen und Konfirmanden sollte allerdings zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden, um beiden Ereignissen – Taufe und Konfirmation – ihre je eigene Bedeutung zu lassen.
4Traditionell war mit der Konfirmation die Zulassung zum Abendmahl verbunden. 5Seitdem das Abendmahl mit Kindern bzw. die Zulassung zum Abendmahl während der Konfirmandenzeit in vielen Gemeinden üblich sind, ist darüber nachzudenken, ob die Feier des Abendmahls überhaupt zum Konfirmationsgottesdienst gehören muss. 6Möglich ist auch die Gestaltung einer Abendmahlsfeier am Vorabend der Konfirmation oder in einem anderen engen zeitlichen Zusammenhang. 7Dies empfiehlt sich besonders dort, wo aus zeitlichen oder anderen organisatorischen Gründen eine Abendmahlsfeier im Konfirmationsgottesdienst nicht stattfinden kann.6
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V. Konfirmandenzeit und Jugendarbeit

1Jugend- und Konfirmandenarbeit sollen sich wechselseitig ergänzen und bereichern. 2Eine gut organisierte Jugendarbeit erweitert und vertieft die Konfirmandenzeit durch spezifische Angebote, die neugierig auf Begegnungen mit anderen Jugendlichen und freiwilliges Engagement in der Gemeinde macht. 3Eine gute Konfirmandenzeit wiederum fördert und bereichert die Jugendarbeit im Anschluss an die Konfirmation. 4Daher empfiehlt sich eine Vernetzung von Jugendarbeit und Konfirmandenzeit auf verschiedenen Ebenen:
1In allen Phasen der Konfirmandenzeit ist die Mitwirkung ehrenamtlicher jugendlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Vorteil. 2Sie sind als junge Erwachsene Bezugspersonen in sensiblen Lebensfragen und glaubwürdige Zeugen des Evangeliums.
1Die Mitarbeit bei Konfirmandenfreizeiten ist eine attraktive Form der Jugendarbeit geworden. 2Ältere Jugendliche motivieren Konfirmandinnen und Konfirmanden zur Mitarbeit. 3Auch die regelmäßigen Treffen können durch die Mitwirkung älterer Jugendlicher bereichert werden, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend gefordert und am Unterrichtsgeschehen beteiligt werden.
Jugendarbeit kann die Konfirmandenzeit durch offene Erlebnis-Angebote bereichern, die auf die Zielgruppe der Konfirmandinnen und Konfirmanden zugeschnitten sind und Begegnungen mit anderen Jugendlichen ermöglichen.
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VI. Fortbildung

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1. Fortbildung der Unterrichtenden

1Nach Paragraph 42 des Pfarrergesetzes sind die Pfarrerinnen und Pfarrer verpflichtet, sich theologisch weiter zu bilden und an den vom Oberkirchenrat angebotenen Fortbildungen teilzunehmen.7
2Die Pfarrerfortbildung umfasst im Bereich der Konfirmandenarbeit Fachtagungen, Informationsveranstaltungen und Regionalkurse. 3Zusätzlich stehen ausgebildete Beraterinnen und Berater für die Einzel- oder Gruppenberatung zur Verfügung. 4Außerdem gibt es in allen Kirchenkreisen Beauftragte für die Konfirmandenarbeit, die für die kollegiale Fortbildung in Pfarrkonventen und Arbeitskreisen sorgen.
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2. Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen

1Besondere Aufmerksamkeit ist der Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen, Jugendlicher wie Erwachsener, zu widmen. 2Dazu gehört die angemessene Vorbereitung und Nachbesprechung von Maßnahmen auf der Gemeindeebene. 3Für die Schulung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit auf der Ebene des Kirchenkreises und der Region zu suchen.
Anmerkungen
1
Die Rahmenordnung sieht vor, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden zu Beginn der Konfirmandenzeit 12 Jahre und älter sind.
2
Die Rahmenordnung sieht den Beginn der Konfirmandenzeit im 7. Schuljahr vor.
3
Beispiele für andere Lernorte sind Altenzentrum, Diakoniestation, andere Kirchen u. Ä.
4
Rücksicht auf die Konfirmandenzeit nur in der 7. und 8. Klasse, Freihalten der Dienstag- bzw. Donnerstagnachmittage von schulischen Veranstaltungen, auf Antrag bis zu drei Tage Unterrichtsbefreiung für Freizeiten. Vgl. dazu das Rundschreiben 77/78 des OKR von 2002.
5
Die Konfirmationsagende der VELKD bieten Hilfen: Vgl. Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (Hg.), Konfirmation. Agende für evangelisch-lutherische Gemeinden und für die Evangelische Kirche der Union, Band III, Berlin 2001.
6
Allerdings sollte auf die Feier des Abendmahls nicht verzichtet werden, weil nur eine geringe Teilnahme von Eltern und Gästen erwartet wird. Das Miterleben hat seinen eigenen, nicht zu gering einzuschätzenden Wert.
7
Zu den Veranstaltungen der Pfarrerfortbildung sind selbstverständlich ebenso die Diakoninnen, Diakone und die übrigen religionspädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen.

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